Internet lockt neue Kunden

Die Einzelhändler Claus von der Heide, Nicole Steffens und John Reinhardt setzen auf online Kunden

BREMERHAVEN. Bislang nutzen nur wenige Bremerhavener Einzelhändler das Internet für eine digitale Vermarktung ihres Geschäfts.
Doch der Einsatz lohnt sich absolut, wie einige Beispiele aus der Seestadt zeigen – obwohl durchaus anfängliche Skepsis bestand.

Von Facebook hält Claus von der Heide wenig, das ist nicht seine Welt. „Überhaupt stand ich der Digitalisierung lange skeptisch gegenüber“, sagt der Inhaber des gleichnamigen Herren-Bekleidungsgeschäfts in der „Bürger“.
Dass Menschen durch die Gegend laufen und nur auf ihr Handy anstatt auf die Umgebung achten oder dass Kunden OnlineShopping vom heimischen Sofa aus dem Einkaufsbummel in der Innenstadt vorziehen, kann von der Heide nicht verstehen. „Das muss ich aber auch gar nicht, denn diese Entwicklung lässt sich nicht mehr rückgängig machen“, sagt der Unternehmer. „Viel entscheidender ist für uns Einzelhändler, dass wir die Entwicklung nicht verschlafen und uns dieser anpassen.“ Diese Erkenntnis reifte schon vor mehr als zehn Jahren in ihm. Damals habe er auf Anraten aus seinem privaten Umfeld eine Website für sein Geschäft erstellen lassen.
Die anfängliche Skepsis ist schon lange der Überzeugung gewichen, dass die Zukunft im Digitalen liegt. „Ich habe ja bei mir selbst festgestellt, dass ich mein Verhalten geändert habe“, berichtet von der Heide. „Bevor ich in ein Restaurant gehe, schaue ich mir gern im Internet die Speisekarte an oder informiere mich vor dem Urlaub über das Hotel.“ Wenn er auf der Website keine oder nur wenige Infos findet, werde er schnell skeptisch. „Warum also sollte ich von meinen Kunden etwas anderes erwarten?“ An diesem Punkt ist Nicole Steffens schon lange angelangt.
Seit sechs Jahren ist sie Inhaberin der Buchhandlung „Mausbuch“ in der Hafenstraße. Für sie war es selbstverständlich, neben dem stationären Geschäft auch“ eine Website mitsamt Online-Shop für gedruckte Bücher und E-Books anzubieten. „Internet-Riesen wie Amazon haben dem Buchhandel schon sehr früh zugesetzt“, sagt sie. Daher versucht Steffens, ihre eigene Nische zu finden – mit Erfolg: „Wir haben einige Kunden, die nur über den Onlineshop bestellen und die wir sonst nicht als Kunden hätten.“

Am gefragtesten seien jedoch die Hinweise zu den Veranstaltungen, die von Häkelkursen bis Lesekreis-Treffen reichen, und von denen es im Schnitt alle ein bis zwei Wochen mindestens eine gibt. „Viele Kunden erkundigen sich im Internet aber auch nach ganz einfachen Dingen wie Telefonnummer, Öffnungszeiten und Kunden-Parkplätzen“, sagt Steffens.

Interesse an der digitalen Entwicklung hat Steffens schon lange. So entstand auch die Idee, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen, in dem sie regelmäßig im Nachhinein über die von ihr angebotenen Veranstaltungen berichtet. „Das macht mir großen Spaß und verbessert auch die Relevanz meiner Buchhandlung bei der Google-Suche erheblich.“ Kein Wunder also, dass Steffens auch Kunden außerhalb Bremerhavens und der Umgebung hat, die sie sonst nie erreicht hätte.
Davon kann auch John Reinhardt ein Lied singen: Der gebürtige US-Amerikaner hat mit seiner Frau Michaela vor knapp fünf Jahren den Backwarenbetrieb „Brownies & Cookies“ gegründet. „Wir haben bislang zwar nur den Laden in der Pressburger Straße, doch das Internet ist für uns bereits zu einer Filiale geworden.“ Ohne die Website als zweites Standbein sei der Standortnachteil in der Preßburger Straße auch gar nicht auszugleichen, sagt Reinhardt. Doch die Kunden kommen bei weitem nicht nur aus Bremerhaven, er habe auch viele in Niedersachsen.
Pro Woche erhält Ehepaar Reinhardt nach eigenen Angaben mindestens zwei Online-Bestellungen. „Dabei behandeln wir das Online-Geschäft bislang nur stiefmütterlich, das wird sich aber ändern“, sagt er.

Rund eine Stunde investieren er und seine Frau bislang wöchentlich in die Online-Präsenz von Brownies & Cookies. „Das ist deutlich zu wenig“, findet John Reinhardt. Denn auch Bremerhavener Kunden, die bei ihm im Laden oder auf dem Wochenmarkt einkaufen, informieren sich häufig vorab im Internet über seine Produkte. „Die kommen dann zu uns und fragen gezielt nach Produkten, über die sie sich vorher auf unserer Website erkundigt haben.“ Damit stellt. Reinhardt gewiss keinen Einzelfall dar: Auch Nicole Steffens und Claus von der Heide machen diese Erfahrung regelmäßig. „Zu uns kommen einige Kunden, die sich ganz gezielt nach einem Kleidungsstück einer bestimmten Marke erkundigen, die sie im Internet gefunden haben“, sagt von der Heide. Ursprünglich habe er die Sorge gehabt, dass Kunden sich bei ihm im Laden informieren, um anschließend das gleiche Produkt im Internet zu kaufen. „Diese Befürchtung hat sich aber nicht bestätigt, eher das Gegenteil ist der Fall.“ Einen OnlineShop will von der Heide aber trotz dieser positiven Erfahrungen nicht einrichten. „Der Aufwand dafür wäre enorm.“ Stattdessen habe er für sich persönlich abgewogen, über welche Kanäle er seine Kunden am besten erreicht. Daher ist er seit einigen Monaten auch bei Facebook und seit wenigen Tagen auch mit einem eigenen Kanal bei Youtube aktiv – auch wenn er davon privat nicht viel hält.

Tags: Presse
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