Sie liefern an die Haustür

Drei Existenzgründer bauen einen Internet-Marktplatz für regionale Lebensmittel und Händler auf
Von Thorsten Brockmann

BREMERHAVEN. Das junge Unternehmen Pielers will Lebensmittel bis an die Haustür liefern.Die Idee klingt nicht neu und doch ist sie es: Pielers will ausschließlich Waren von Erzeugern und Händlern aus der Region anbieten. Das Vorhaben wird von der Europäischen Union und dem Wirtschaftsministerium gefördert. Im August soll's losgehen.

Das plattdeutsche Wörtchen piel heißt so vielwie direkt, aber auch aufrecht. „Darum geht es uns“, sagt Existenzgründerin Dr. Julia Köhn. „Wir wollen Landwirten, Kleinerzeugern, dem Bäcker von nebenan einen Marktplatz bieten.“ Aus der Diskussion mit einem Landwirt über die miserablen Milch- und Fleischpreise und die Macht des Lebensmittel-Einzelhandels entstand vor zwei Jahren die Idee, einen „alternativen Vertriebskanal für vernünftige Lebensmittel“ aufzubauen.

Mit der Hochschule im Rücken werden die drei Existenzgründer von Pielers ein Jahr lang von der EU und dem Bundeswirtschaftsministerium mit 140000 Euro finanziert. Seit Januar arbeiten sie auf den Tag hin, an dem ihre Internetseite mit dem Online-Marktplatz scharfgeschaltet wird.
Ihre Lieferanten haben die drei selbst gesucht. Sie hatten damit gerechnet, von manchem Hof oder aus manchem Laden gejagt zu werden, „aber das Gegenteil ist eingetreten“, sagt Vanessa Heise, die die Betriebe besucht hat, um sie zu überzeugen, mitzumachen. „Ein Spargelbauer“, sagt sie und lacht, „hat mir ein Kilo Spargel mitgeben wollen. Damit ich ihn ins Internet stellen kann.“

Mit zunächst sechs Erzeugern und 15 Testkunden wurden Bestellungen und Auslieferungen monatelang probiert, „und es funktionierte“. In der Region könnte Pielers theoretisch 200 000 Menschen erreichen, „aber mit 2000 Kunden wären wir schon mehr als glücklich“, sagt Julia Köhn.

Mit 1000 Produkten will Pielers im August an den Start gehen: Fleisch und Wurst aus Loxstedt, Käse aus Dörverden, Brot aus Beverstedt, Obst und Gemüse aus Berensch. Milch von einer kleinen Molkerei gehört ebenso zum Angebot wie Antipasti aus Ringstedt, Kaffee und Mehl aus Bremen und Gebäck aus Bremerhaven.

„Wir machen gerne mit“, sagt etwa Cookie-Bäcker John Reinhardt. „Die Regionalität ist toll, da muss man mitmachen.“ Das findet auch Fruchthändler Olaf Dietzel, der schon während der Testphase dabei war und etwa 100 Euro zusätzlich pro Woche über die Internet-Plattform eingenommen hat.

„Zu Hause bestellen und alles geliefert zu bekommen, das ist die Zukunft“, ist er überzeugt.
„Die Kartoffeln werden bei uns nicht mehr kosten als im Supermarkt“, sagt Vanessa Heise, „aber der Landwirt verdient mehr daran.“ Pielers will zunächst einmal in der Woche die Bestellungen ausliefern und nimmt dafür fünf Euro. „Bei uns kann man den gesamten Wocheneinkauf erledigen“, meint Martin Krikken, der zwar Betriebswirtschaft studiert hat, sich als Existenzgründer aber darum kümmert, wie die Bestellungen problemlos bis an die Haustür geliefert werden.

Pielers soll sich über eine Umsatzprovision, die die Händler zahlen, finanzieren. „Wir starten hyperlokal“, sagt Julia Köhn.
„Aber wenn es hier funktioniert, dann können wir unser System deutschlandweit ausbauen.“ www.pielers.de

Tags: Presse
Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.